Leukämie trifft Pandemie

Leukämie trifft Pandemie

Es wird nicht angenehmer

Wenn das eigne Kind an einer schweren Krankheit leidet, ist das immer eine Herausforderung für Eltern, Freunden und natürlich für das Kind selber. Mit der Diagnose Leukämie wurde mir schnell klar, dass die kommende Zeit von Klinikaufenthalten und besonderen Vorsichtsmaßnahmen geprägt sein wird. Hygiene, Abstand halten und „social distancing“ sind für Krebspatienten und deren Umfeld sicher nicht neu. Das diese Regeln bald aber für ganz Deutschland gelten werden und ich mich in Isolation noch isolierter fühlen würde, hätte ich Mitte Februar 2020 noch lange nicht gedacht.

Jills Therapieplan sah vor, dass wir die ersten sechs Wochen der Therapie stationär in der Universitätskinderklinik verbringen würden. Der Schock über die Diagnose, Ängste und Sorgen sind permanent präsent. Umso dankbarer bin ich, dass ich in den ersten Tagen noch Besuch auf Station empfangen konnte. Freundinnen kamen vorbei, um mir zur Seite zu stehen. Papa André besuchte uns nach der Arbeit, Oma und Opa kamen am Wochenende. Ich hatte die Möglichkeit die Station zu verlassen und floh aus meinem Paralleluniversum Kinderklinik wieder in die „normale Welt“.

Ich genoss es, durch die Innenstadt zu laufen und den Leuten zuzuschauen. Zu sehen, dass das Leben der Anderen einfach weitergeht, gab mir ein Gefühl von Sicherheit und Normalität in dieser für mich so absurden Situation. Die Tasse Kaffee bei Freunden, die Umarmungen, der Trost und das gemeinsame Sein schenkte mir wieder Energie, um die Zeit in der Klinik gut meistern zu können. Doch das sollte sich im März 2020 noch ändern. Der Corona Virus schlich sich immer näher an unseren Alltag heran.

Die Kontaktsperren und Schutzmaßnahmen, die die Bundesregierung zur Eindämmung des Corona Virus im März verhängte, hatten direkte Auswirkungen auf den Alltag in der Kinderklinik. Es durften fortan nur noch die Eltern des zu behandelten Kindes die Station betreten. André und ich arrangierten uns damit. Wir verbrachten die Abende entweder zu dritt mir Jill im Krankenzimmer: gemeinsames Spielen, Essen und Kuscheln oder ich zog noch einmal los, um eine etwas“Normalität“ in der Welt außerhalb der Klinik zu tanken. Nach wenigen Tagen durfte nur noch ein Elternteil beim Kind bleiben, gemeinsames Betreuen war nicht mehr möglich. Die nächste Einschränkung folgte bald: Zwischen zwei Wechseln der Bezugspersonen müssen nun mindestens 24 Stunden liegen. Anfangs durfte der Wechsel noch im Krankenzimmer stattfinden, sodass man eine kurze Übergabe machen konnte. Jetzt sind Wechsel nur noch in der Schleuse möglich.

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