Und täglich grüßt das Murmeltier.

Und täglich grüßt das Murmeltier.

Medikamente.

Zum Alltag meiner dreijährigen Tochter gehören Medikamente. Tabletten, Säfte, Spritzen, Infusionen, Cremes und Salben, manchmal als direkte Therapie, manchmal zur Behandlung oder Vorbeugung von Nebenwirkungen.

Auf der ehemaligen Wickelkommode stehen die Fläschchen, türmen sich Blister und Hilfsmittel wie eine kleine Armee, zuverlässig und täglich an verschiedenen Fronten im Körper im Einsatz.

Bisher hat Jill die Therapie gut weggesteckt. Ich bin sehr dankbar, dass sie ihre verordneten Medikamente problemlos einnimmt und dem Procedere sehr vertrauensvoll gegenüber steht.

In den vergangenen Wochen jedoch wurden die Kämpfe, die in ihrem kleinen Körper ausgefochten werden nicht nur optisch immer sichtbarer. Aus der quietschfiedelen Powermaus wurde eine abgeschlagene, müde Kuschelmaus, die nicht mehr spielen mag und nicht mehr gut laufen kann.

Wir verbringen viele Tage im abgedunkelten Schlafzimmer und hören ein und dieselbe Hörgeschichte stundenlang. Und wir schauen Tablet, viel Tablet. Sämtliche medienpädagogische Ratschläge unterlaufen wir im Grunde täglich und es fühlt sich absolut richtig an. Ja, jetzt sehe ich es auch wieder deutlich. Mein Kind hat Krebs und durchläuft eine intensive Therapie und zwar jeden Tag, seit über einem halben Jahr.

Seit ein paar Tagen verliert Jill erneut ihre Haare. Einige Strähnen hielten sich bis jetzt und neue Babyhärchen wuchsen bereits wieder. Diese Frisur fand ich eigentlich ziemlich cool, auch wenn ich sie mir für Jill vielleicht 11 Jahre später in einer potentiellen Britpunk-Phase gewünscht hätte.

Es ist ein derart absurdes Gefühl, dem Kind über den Kopf zu streicheln und dabei büschelweise Haare in den Händen zu halten. Ein Teil von mir ist tief traurig und betroffen, Jill so zu sehen. Aber es geht nicht um mich, denn ich bin ihr Begleiter durch die Erkrankung und deren Therapie.

Gerade in den sozialen Medien ist der Platz für Alter, Krankheit und Tod eher klein, denn ein optisches Highlight sind diese Themen oft nicht. Fakt ist, dass sie uns alle treffen. Endlich etwas, auf das jeder sich verlassen kann.

Vielleicht könnte es für alle ein Gewinn sein auch jenen Themen mit Lebendigkeit, Inspiration oder Offenheit zu begegnen?