There is beauty in pain.

There is beauty in pain.

Wie ich eine Löwenmama geworden bin.

Anderthalb Jahre nach Diagnose Blutkrebs.

Es ist Sommer und die Locken meiner Tochter kringeln sich vom Toben auf dem Spielplatz.

Eltern mit krebskranken Kindern erkennen in diesem Satz gleich mehrere Besonderheiten: die Locken, das Toben und der Spielplatz.

Ja, das ist der Alltag, den ich mir so herbeigewünscht und um den ich mich so betrogen gefühlt habe. Und gleichzeitig ist es ganz und gar nicht mehr der Alltag, den ich vor der Diagnose kannte und gelebt habe.

Ich erinnere mich an den Abend, die Nacht der Diagnosestellung. Unsere Leben hörten von jetzt auf gleich auf, das zu sein, was sie bis dahin waren. Dass das im Grunde immer so ist und jedem zu jeder Zeit passieren kann, packt man im Alltagstrott sicher weg. Zum Glück.

Denn wenn diese vermeintliche Sicherheit in sich zerfällt, werden Gefühle und Gedanken angesprochen, die kaum auszuhalten sind. Kein Liebeskummer, keine finanziellen Sorgen oder andere belastende Lebensereignisse haben mich so tief erschüttert, wie die Erlebnisse jener Nacht.

Ich sehe mich auf den Fluren der Notaufnahme schluchzend, weinend, flehend und wütend umher tigern beim Warten auf die Ergebnisse des Blutbildes.

Ich suche immer wieder nach treffenden Worten, die annähernd das ausdrücken können, wie mein Innenleben in dieser Situation aussah.

Du, als Elternteil eines kranken Kindes wirst sicher sofort einen Zugang zu meiner Beschreibung haben.

Du, als Mensch ohne krankes Kind hoffst, niemals einen Zugang dazu finden zu müssen

Alles um mich herum ist pechschwarz. Alles wabert. Ich habe das Gefühl, den Boden unter meinen Füßen verloren zu haben. Nichts macht mehr Sinn. Ich falle, haltlos und kopflos. Dann spüre ich den klirrenden Schmerz, der mit jedem Moment exponentiell anschwillt und letztlich jede Zelle in mir zum Bersten bringt. Mit Wucht und unwiderruflich. Glasklar und eiskalt webt sich die Zerstörung und das Trauma in mein System. Sie sprengt alles und setzt ungeahnte Energien frei.

Ich werde eine Löwenmama.

Ich habe den Auftrag mein Kind durch die Erkrankung und deren Therapie zu begleiten.

Für das abschließende Fazit „Mission completed“ ist es noch zu früh.

Dennoch merke ich, dass ich mehr und mehr in meine Kraft komme. Denn wir haben es geschafft. Wir haben überlebt und dem Leben Fülle gegeben.

Ich habe das Vertrauen nicht verloren und kann mir und meiner Tochter Freiheit schenken.

Trotz allem und gerade deswegen.

Ich bin eine Löwenmama geworden.

Ich könnt das nicht!

Ich könnt das nicht!

Bitte geben Sie nachfolgend Ihre Fähigkeiten an, die Sie im Laufe Ihres Lebens einbringen können. Vergessen Sie anschließend nicht, deutlich zu machen, was Sie nicht können. Wir versuchen das bei der Planung zu berücksichtigen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung,

Das Regisseur-Team Ihres Lebens

Ich bin mit sehr sicher, dass ich bei der Abfrage der Fähigkeiten nicht geantwortet habe, dass ich mein Kind durch eine Krebserkrankung begleiten möchte. Ich habe auch nicht angegeben, dass ich mich gut in hierarchische Strukturen einfügen und gut auf Selbstbestimmung verzichten kann.

„Ich könnt das nicht!“, das ist ein Satz bei dem sich mir der Magen zusammen zieht.

Es stellt sich für Eltern schwer kranker Kinder nicht die Frage, ob Sie das können oder nicht. Vom Wollen ganz zu schweigen. Natürlich begleitet man sein Kind. Bis ans Ende der Welt und in manchen Fällen sogar darüber hinaus. Die bedingungslose Liebe zu diesem kleinen Wesen lässt Kräfte wachsen, die du dir niemals hättest erträumen können. Man hält Situationen aus, für die es keine Worte gibt. Man schaut Ängsten ins Gesicht, die selbst für Albträume zu heftig sind. Man findet den Funken Hoffnung, wie die Nadel im Heuhaufen. Nicht weil man es will oder kann, sondern weil man es muss. Weil es so ist.

Ich weiß, dass manche Menschen mit schlechten Nachrichten oder Schicksalsschlägen anderer nicht gut umgehen können. Vielleicht aus Angst, dass auch sie spüren, dass der eigene Alltag fragiler und unsicherer ist, als gewollt. Vielleicht aus Sorge, dass Sie etwas Unangebrachtes oder vermeintlich Falsches sagen. Vielleicht auch aus Unsicherheit, weil Krankheit und Tod in der Rush-hour des Lebens keinen großen Raum finden.

„Ich könnt das nicht! “ schafft Trennung und Distanz. Als Mutter eines schwer kranken Kindes fühlt man sich in dunklen Stunden schon einsam genug.

Statt „Ich könnte das nicht!“, wäre ein „So eine verdammt große Scheiße, Janina! Wir sind total traurig und denken an Euch!“, ein Satz der Verbindung schafft.
Mit fühlen tut gut, denn auf vielen Schultern verteilt sich Schweres leichter. Nur Mut!